Der Auf- und Abstieg am Fahrzeug gehört zu den häufigsten Unfallstellen im Transport- und Baugewerbe. Trittbretter sind nass, verschmutzt oder vereist, Ladeflächen werden bei laufendem Betrieb betreten, Rampen stehen im Regen. Ein gezielter Rutschschutz an Fahrzeugen, Anhängern und Ladeflächen senkt dieses Risiko mit vergleichsweise geringem Aufwand – und lässt sich an fast jedem Bestandsfahrzeug nachrüsten.
Die kritischen Stellen am Fahrzeug
- Ein- und Aufstiege: Trittstufen, Trittbretter und Kotflügeltritte – hier passieren die meisten Stürze, besonders beim Absteigen.
- Ladeflächen: Holz-, Alu-, Riffelblech- und Kunststoffböden werden bei Nässe und Staub schnell glatt.
- Rampen und Auffahrten: geneigte Flächen verlangen eine deutlich höhere Rutschhemmung als ebene.
- Dachaufstiege und Arbeitsbühnen an Silo-, Tank- und Spezialfahrzeugen.
- Deichseln, Stützen und Bedienstände an Anhängern und Aufliegern.
- Wechselbrücken und Container: Türbereiche, Schwellen und Innenböden.
Lösungen nach Bauteil
- Selbstklebende Antirutschbeläge: die schnellste Nachrüstung für Trittbretter, Stufen und kleinere Flächen. Als konturgenaue Sonderanfertigung sitzen sie ohne Nacharbeit.
- Grobkörnige Beläge für den Außeneinsatz: greifen auch bei Schlamm, Öl und Frost.
- Aufgeschraubte Profile und Platten: für Bereiche mit hoher mechanischer Belastung und Schleifkontakt durch Ladung.
- Rutschhemmende Beschichtung: nahtlos, elastisch und abriebfest für ganze Ladeflächen, siehe Beschichtung für Tränen- und Riffelblech.
- Antirutschmatten zur Ladungssicherung: erhöhen den Reibbeiwert zwischen Ladung und Ladefläche und reduzieren die erforderliche Anzahl an Zurrmitteln – siehe Schwerlast-Antirutschmatten.
- Kontrastierende Kantenmarkierung: macht Stufenkanten und Ladeflächenkanten auch bei Dunkelheit erkennbar.
Zwei verschiedene Ziele: Personensicherheit und Ladungssicherung
Der Begriff Antirutsch meint am Fahrzeug zwei unterschiedliche Aufgaben, die nicht verwechselt werden sollten:
- Trittsicherheit für Personen: Der Belag muss so griffig sein, dass ein Mensch mit Arbeitsschuhen sicher auftritt – bewertet nach DIN 51130 in den Klassen R9 bis R13.
- Ladungssicherung: Hier zählt der Reibbeiwert zwischen Ladung und Ladefläche, der in die Berechnung der Sicherungskräfte nach VDI 2700 eingeht. Antirutschmatten erhöhen diesen Wert deutlich.
- Beides lässt sich kombinieren, verlangt aber unterschiedliche Materialien: Der beste Trittbelag ist nicht automatisch die beste Unterlage für Ladung.
Besondere Anforderungen im Fahrzeugeinsatz
- Temperaturwechsel: Ein Belag muss von Frost bis zur sonnenaufgeheizten Metallfläche haften.
- Vibration und Verwindung: Fahrzeuge arbeiten; starre Beläge lösen sich an den Kanten.
- Hochdruckreinigung: Kanten dürfen sich beim Reinigen nicht anheben – Randabstand und vollflächige Verklebung sind entscheidend.
- Streusalz und Split: fordern die Abriebfestigkeit im Winter zusätzlich.
- Kraftstoffe, Öle und Reinigungschemie: verlangen ein chemikalienbeständiges Material.
- Gewicht: bei Nutzfahrzeugen zählt jedes Kilogramm Nutzlast – dünne Beläge sind hier im Vorteil.
Regelwerke und Orientierung
- DIN 51130 – Bewertungsgruppen R9 bis R13 für begangene Flächen.
- DGUV Vorschrift 70 – Fahrzeuge: Anforderungen an sichere Auf- und Abstiege.
- DGUV Regel 108-003 – Fußböden in Arbeitsbereichen mit Rutschgefahr.
- VDI 2700 ff. – Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen, einschließlich Reibbeiwerten.
- DIN EN 12195-1 – Berechnung von Zurrkräften.
- ASR A1.5 – für Verlade- und Rampenbereiche auf dem Betriebsgelände.
Nachrüsten in der Praxis
- Fahrzeug an einem trockenen, temperierten Platz vorbereiten – Nachrüstung im Regen misslingt zuverlässig.
- Trittflächen gründlich reinigen und entfetten; alte Beläge und Klebstoffreste vollständig entfernen.
- Teile konturgenau zuschneiden lassen oder passgenau anzeichnen, Ecken abrunden.
- Vollflächig verkleben und kräftig andrücken, Randbereiche besonders sorgfältig.
- Aushärtezeit vor der ersten Fahrt und vor der ersten Reinigung einhalten.
- Bei der wiederkehrenden Fahrzeugprüfung den Zustand der Beläge mitkontrollieren.
Fazit
Ein durchdachter Rutschschutz am Fahrzeug wirkt genau dort, wo im Transportbetrieb die meisten Personenschäden entstehen: beim Auf- und Absteigen und beim Betreten der Ladefläche. Wichtig ist, Trittsicherheit und Ladungssicherung getrennt zu betrachten und Materialien zu wählen, die Vibration, Hochdruckreinigung und Wintereinsatz standhalten. Nachrüsten ist an nahezu jedem Fahrzeug möglich – meist in wenigen Stunden.
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