Nachleuchtende Flucht- und Rettungswegmarkierung

Fällt bei einem Brand oder Stromausfall die Beleuchtung aus, versagt jede Orientierung, die auf Licht angewiesen ist. Rauch sammelt sich zuerst unter der Decke – genau dort, wo klassische Rettungszeichen hängen. Langnachleuchtende Sicherheitsleitsysteme setzen deshalb am Boden an: Sie speichern Umgebungslicht und geben es über Stunden wieder ab. In Kombination mit einer rutschhemmenden Oberfläche entsteht daraus eine Markierung, die im Ernstfall führt und trägt.

Wie langnachleuchtende Materialien funktionieren

  • Pigmente auf Basis von Strontiumaluminat nehmen Licht auf und speichern es – ohne Strom, ohne Radioaktivität, ohne Wartungsteile.
  • Nach dem Abschalten der Beleuchtung geben sie die gespeicherte Energie als sichtbares Leuchten wieder ab.
  • Der Vorgang ist beliebig oft wiederholbar; die Materialien laden sich bei jeder normalen Beleuchtung erneut auf.
  • Die Leuchtdichte fällt anfangs schnell und dann flach ab – entscheidend ist der Restwert nach 10 und nach 60 Minuten.
  • Voraussetzung ist eine ausreichende Aufladung: Bereiche, die dauerhaft im Dunkeln liegen, brauchen eine andere Lösung.

Ein nachleuchtendes System ist nur so gut wie seine Aufladung. Vor der Auswahl gehört deshalb immer die Frage geklärt, wie hell und wie lange der Bereich im Normalbetrieb beleuchtet ist.


Produkte und Bauformen

  1. Nachleuchtende Antirutschbänder: verbinden Rutschhemmung und Leitfunktion in einem Belag – ideal für Treppenstufen und Rampen im Fluchtweg.
  2. Bodenleitstreifen: durchgehende Streifen entlang der Fluchtrichtung, auch als Doppelstreifen zur Kennzeichnung des Weges.
  3. Stufenkantenmarkierung: markiert jede einzelne Stufe und verhindert Fehltritte im Treppenhaus.
  4. Richtungspfeile und Rettungszeichen: vorgefertigte Symbole für Bodenmontage, ergänzend zur Beschilderung an der Wand.
  5. Hindernis- und Gefahrenmarkierung: kennzeichnet Türen, Stützen, Engstellen und Handläufe.
  6. Nachleuchtende Handlaufbänder: führen die Hand entlang des Weges, siehe auch Handlauf-Rutschschutz.
  7. Kombination mit reflektierenden Elementen: reflektierende Anteile wirken zusätzlich, sobald eine Lichtquelle wie eine Taschenlampe auftrifft.

Warum die Markierung am Boden liegen sollte

  • Rauch steigt nach oben; die bodennahe Schicht bleibt am längsten sichtbar.
  • Menschen orientieren sich in Stresssituationen an durchgehenden Linien, nicht an Einzelzeichen.
  • Eine Bodenmarkierung wirkt auch, wenn Personen sich geduckt oder kriechend bewegen.
  • Der Fluchtweg wird lückenlos nachvollziehbar – ohne Sprungstellen zwischen einzelnen Schildern.
  • Stufen, Kanten und Richtungswechsel lassen sich genau dort markieren, wo sie zum Risiko werden.

Normen und Regelwerke

  • DIN 67510 – langnachleuchtende Pigmente und Produkte: Messung der Leuchtdichte und Klassifizierung.
  • DIN EN ISO 16069 – Sicherheitsleitsysteme, Aufbau und Anordnung bodennaher Systeme.
  • ASR A2.3 – Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan.
  • ASR A1.3 – Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung in Arbeitsstätten.
  • DIN EN ISO 7010 – einheitliche Sicherheitszeichen, darunter die Rettungszeichen.
  • DIN 51130 – Rutschhemmung der eingesetzten Beläge, wenn sie begangen werden.
  • Musterbauordnung und Sonderbauvorschriften – für Versammlungsstätten, Beherbergungsbetriebe und Verkaufsstätten können weitergehende Anforderungen gelten.

Typische Einsatzbereiche

  • Fluchttreppenhäuser in Industrie-, Verwaltungs- und Wohngebäuden
  • Produktions- und Lagerhallen mit langen Fluchtwegen
  • Hotels, Versammlungsstätten, Kinos und Verkaufsstätten
  • Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Schulen
  • Tiefgaragen, Parkhäuser und Unterführungen
  • Schiffe, Offshore-Plattformen und Hafenanlagen
  • Tunnel, Technikräume und fensterlose Bereiche

Planung in fünf Schritten

  1. Fluchtwege erfassen: Verlauf, Längen, Richtungswechsel, Türen und Engstellen aufnehmen.
  2. Lichtsituation prüfen: Beleuchtungsstärke und Beleuchtungsdauer bestimmen die erreichbare Nachleuchtdauer.
  3. System festlegen: Streifenbreite, Anordnung, Symbole und geforderte Leuchtdichteklasse wählen.
  4. Rutschhemmung abstimmen: auf begangenen Flächen muss die Markierung zugleich die geforderte Bewertungsgruppe erfüllen.
  5. Prüfen und dokumentieren: Wirksamkeit im abgedunkelten Zustand kontrollieren und in die Gefährdungsbeurteilung aufnehmen.

Instandhaltung

  • Markierungen sauber halten – Schmutzfilme reduzieren sowohl Aufladung als auch Leuchtdichte.
  • Sicherstellen, dass die Markierung nicht dauerhaft durch Material oder Fahrzeuge verdeckt wird.
  • Beschädigte Abschnitte zeitnah ersetzen; Lücken machen das gesamte Leitsystem unzuverlässig.
  • Die Funktion regelmäßig im abgedunkelten Zustand überprüfen und das Ergebnis dokumentieren.

Fazit

Nachleuchtende Flucht- und Rettungswegmarkierungen arbeiten ohne Strom, ohne Wartung und genau dann, wenn alles andere ausfällt. Führt man sie rutschhemmend aus, erfüllen sie zwei Aufgaben zugleich: Sie zeigen den Weg und sichern den Tritt. Entscheidend sind eine realistische Bewertung der Lichtverhältnisse, ein durchgehender Verlauf ohne Lücken und eine regelmäßige Kontrolle.


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