Rutschsicherheit in Barfuß- und Nassbereichen

In Barfußbereichen gelten eigene Regeln. Die Bewertungsgruppen R9 bis R13, die für Arbeitsbereiche mit Schuhwerk gelten, sind hier nicht anwendbar: Die nackte, feuchte Haut verhält sich auf einer Oberfläche völlig anders als eine Schuhsohle. Maßgeblich ist stattdessen die DIN 51097 mit den Bewertungsgruppen A, B und C. Wer Schwimmbäder, Duschen, Umkleiden oder Sanitärbereiche sicher gestalten will, muss beide Systeme auseinanderhalten.

Bewertungsgruppen für nassbelastete Barfußbereiche

Geprüft wird auf der schiefen Ebene mit einer Prüfperson, benetzter Oberfläche und Netzmittel. Der erreichte Neigungswinkel bestimmt die Gruppe.

  • Bewertungsgruppe A – ab etwa 12° Neigungswinkel. Für Bereiche, die überwiegend trocken begangen werden: Barfußgänge im Trockenbereich, Umkleiden, Sauna-Vorräume.
  • Bewertungsgruppe B – ab etwa 18°. Für überwiegend nasse Flächen: Duschräume, Beckenumgänge, Durchschreitebecken, Beckenböden in Nichtschwimmerbereichen.
  • Bewertungsgruppe C – ab etwa 24°. Für besonders kritische Bereiche: geneigte Beckenränder, Einstiege ins Wasser, Treppen im Wasser, stark geneigte Flächen.

Ein Belag der Gruppe C erfüllt automatisch auch die Anforderungen von B und A. Umgekehrt gilt das nicht – ein A-Belag ist in einem Duschraum nicht ausreichend.


Warum Nassbereiche so unfallträchtig sind

  • Ein Wasserfilm zwischen Fuß und Boden wirkt wie ein Gleitmittel – erst eine ausreichende Oberflächenstruktur durchbricht ihn.
  • Seifen, Duschgel, Shampoo und Hautfett setzen die Reibung zusätzlich herab und lagern sich in der Struktur ab.
  • Menschen bewegen sich barfuß oft schnell, unaufmerksam und ohne festen Halt in der Nähe – Handläufe fehlen häufig.
  • Kalk- und Biofilme bilden sich unbemerkt und machen selbst normgerechte Beläge unwirksam.
  • Fliesen mit hoher Wasseraufnahme und glänzender Glasur wirken optisch sauber, sind aber nass besonders kritisch.

Lösungen für bestehende Flächen

Neubauten lassen sich von Anfang an mit normgerechten Belägen planen. Für vorhandene Flächen – und das ist der häufigere Fall – gibt es mehrere Wege, die Rutschhemmung nachträglich herzustellen.

  1. Antirutschbeläge für Barfußbereiche: selbstklebende Bahnen und Zuschnitte mit weicher, kornfreier Struktur. Sie greifen zuverlässig, ohne die Haut zu verletzen – grobkörnige Industriebeläge sind hier ausdrücklich ungeeignet.
  2. Transparente Rutschhemmungsbehandlung: ein chemisches Verfahren, das die Mikrostruktur der Fliesenoberfläche verändert und die Griffigkeit im nassen Zustand erhöht, ohne das Erscheinungsbild zu verändern.
  3. Rutschhemmende Beschichtungen: vollflächig aufgetragene Systeme mit fein abgestimmter Struktur, geeignet für größere zusammenhängende Flächen.
  4. Matten und Roste für Nassbereiche: offene, gut zu reinigende Strukturen, unter denen Wasser ablaufen kann – bewährt in Duschgängen und Umkleiden.
  5. Antirutschstreifen an kritischen Punkten: gezielt an Stufen, Einstiegen und Rampen, wenn die Gesamtfläche ausreichend ist.

Typische Einsatzbereiche

  • Schwimmbäder, Freibäder, Therapie- und Hotelbäder: Beckenumgänge, Einstiege, Startbereiche
  • Duschräume und Umkleiden in Betrieben, Sportanlagen und Vereinsheimen
  • Sauna- und Wellnessbereiche einschließlich Ruhezonen und Tauchbecken
  • Sanitärbereiche in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Seniorenwohnungen
  • Barrierefreie Bäder und bodengleiche Duschen im privaten Umfeld
  • Campingplätze, Schwimmhallen und öffentliche Sanitäranlagen
  • Lebensmittelbetriebe mit Nassreinigung, in denen zeitweise barfuß oder in Sandalen gearbeitet wird

Hygiene und Reinigung – der zweite Teil der Sicherheit

Eine rutschhemmende Oberfläche kann nur wirken, wenn ihre Struktur offen bleibt. In Nassbereichen sind daher Belag und Reinigungskonzept untrennbar verbunden.

  • Reinigungsmittel mit filmbildenden Bestandteilen meiden – sie setzen die Struktur mit der Zeit zu.
  • Kalkablagerungen regelmäßig entfernen; Kalk glättet die Oberfläche schleichend.
  • Mechanisch reinigen, nicht nur wischen – Bürste oder Scheuersaugmaschine statt Flachmopp.
  • Fugen und Randbereiche einbeziehen, hier bilden sich Biofilme zuerst.
  • Beläge wählen, die sich vollflächig verkleben lassen, damit sich kein Wasser darunter sammelt.
  • Nach der Reinigung ausreichend abtrocknen lassen, bevor der Bereich wieder freigegeben wird.

Regelwerke im Überblick

  • DIN 51097 – Prüfverfahren und Bewertungsgruppen A, B, C für nassbelastete Barfußbereiche.
  • DGUV Regel 107-001 – Betrieb von Bädern, mit Anforderungen an Bodenbeläge und deren Instandhaltung.
  • DIN EN 13451 – Sicherheitstechnische Anforderungen an Schwimmbadgeräte und Einbauteile.
  • ASR A1.5 – Fußböden in Arbeitsstätten, auch für Personal in Bade- und Sanitärbereichen.
  • CEN/TS 16165 – Übersicht der Verfahren zur Bestimmung der Rutschhemmung, einschließlich Barfußprüfung.

Auswahlhilfe

  1. Wird der Bereich barfuß, mit Schuhen oder gemischt genutzt? Bei Mischnutzung sind beide Bewertungen zu betrachten.
  2. Ist die Fläche dauerhaft nass, zeitweise nass oder überwiegend trocken?
  3. Wie stark ist die Neigung – Rampen und Beckenränder brauchen eine höhere Gruppe.
  4. Welche Reinigungsverfahren und -mittel sind im Einsatz?
  5. Muss das Erscheinungsbild erhalten bleiben, etwa bei denkmalgeschützten oder gestalterisch anspruchsvollen Flächen?
  6. Soll die Lösung dauerhaft sein oder temporär, etwa in einem Mietobjekt?
  7. Gibt es Bereiche mit besonders schutzbedürftigen Personen, etwa in Pflege und Therapie? Siehe dazu auch unsere Antirutschlösungen für Senioren.

Fazit

In Barfuß- und Nassbereichen entscheidet nicht die R-Klasse, sondern die Bewertungsgruppe nach DIN 51097. Wer bestehende Flächen nachrüstet, braucht Lösungen, die bei Nässe und Seife greifen, hautverträglich sind und sich hygienisch reinigen lassen. Mit der passenden Kombination aus Belag, Behandlung und Reinigungskonzept lässt sich das Anforderungsniveau auch nachträglich sicher erreichen.


Nassbereiche sicher machen

  • Kostenlos beraten lassen – erforderliche Bewertungsgruppe A, B oder C bestimmen
  • Passende Lösung wählen – Belag, Behandlung oder Beschichtung, je nach Untergrund
  • Hautfreundlich ausführen – Strukturen, die barfuß greifen, ohne zu verletzen
  • Reinigungskonzept mitdenken – damit die Rutschhemmung dauerhaft erhalten bleibt

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