Rutschhemmung R9 bis R13: Normen und Auswahl

Wie rutschfest ein Boden ist, beschreiben in Deutschland die Bewertungsgruppen der Rutschhemmung R9 bis R13. R9 steht für die geringste, R13 für die höchste Rutschhemmung. Für Arbeitsstätten sind die Gruppen ein zentrales Kriterium bei der Planung, Nachrüstung und Beschaffung von Böden, Matten und Belägen.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen Überblick über die Bewertungsgruppen, den Verdrängungsraum und die wichtigsten Regelwerke. Er ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung und keine Rechtsberatung. Er hilft Ihnen aber, die richtigen Fragen zu stellen und passende Produkte einzuordnen.

Treppenhaus von oben – Rutschhemmung R9 bis R13

Die Bewertungsgruppen im Überblick

Die Einstufung erfolgt in einem Begehungsverfahren auf der schiefen Ebene. Eine Prüfperson mit Sicherheitsschuhen geht auf der geölten Probe, deren Neigung schrittweise erhöht wird. Aus dem Winkel, bei dem sie unsicher wird, ergibt sich die Bewertungsgruppe.

BewertungsgruppeNeigungswinkel (Prüfung)RutschhemmungBeispiele (Auszug, ohne Gewähr)
R96° bis 10°geringEingangs- und Verkaufsbereiche innen, trockene Flure
R10über 10° bis 19°normalWerkstätten und Lager mit geringer Verschmutzung
R11über 19° bis 27°erhöhtBereiche mit regelmäßiger Nässe, überdachte Laderampen
R12über 27° bis 35°großGroßküchen, nicht überdachte Rampen
R13über 35°sehr großBereiche mit viel Fett oder Öl, etwa in der Lebensmittelverarbeitung

Auszug, ohne Gewähr – maßgeblich ist die aktuelle Regel. Die Beispiele sind stark vereinfacht. Die konkrete Zuordnung einzelner Räume und Bereiche finden Sie im Anhang 2 der ASR A1.5.

Rutschhemmung R13 mit Verdrängungsraum

Wo viel Fett, Öl, Wasser oder Lebensmittelreste auf den Boden gelangen, reicht die Rutschhemmung allein nicht aus. Der Verdrängungsraum beschreibt das Volumen unter der Gehebene, das gleitfördernde Stoffe aufnehmen kann. Er wird mit V4, V6, V8 und V10 angegeben, die Zahl steht für das Mindestvolumen in cm³ pro dm². Typisch ist die Kombination hoher Bewertungsgruppen mit einem Verdrängungsraum, etwa R13 V10 in stark fettbelasteten Bereichen.

ASR A1.5 Rutschhemmung Tabelle

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5 „Fußböden“ konkretisiert die Anforderungen an Fußböden in Arbeitsstätten. Ihr Anhang enthält eine Tabelle, die Arbeitsräumen und -bereichen eine Bewertungsgruppe und gegebenenfalls einen Verdrängungsraum zuordnet. Die frühere DGUV Regel 108-003 wurde zurückgezogen; ihre wesentlichen Inhalte sind in der ASR A1.5 aufgegangen.

Rutschhemmung nach DIN EN 16165

Die Prüfnorm DIN EN 16165:2023 beschreibt Verfahren zur Bestimmung der Rutschhemmung von Fußböden. Das Begehungsverfahren auf der schiefen Ebene für den Schuhbereich ist dort als ein Verfahren enthalten. Viele vorhandene Prüfzeugnisse beziehen sich noch auf die frühere DIN 51130. Achten Sie bei Prüfnachweisen deshalb auf die zugrunde liegende Norm und das Prüfdatum.

Barfußbereiche: Bewertungsgruppen A, B und C

Für nassbelastete Barfußbereiche wie Duschen, Umkleiden und Schwimmbäder gelten eigene Bewertungsgruppen A, B und C. Sie sind nicht mit R9 bis R13 vergleichbar. Mehr dazu unter Barfuß- und Nassbereich rutschsicher.

Passende Lösungen nach Rutschhemmung

Bodenbeschichtungen

Eine Beschichtung mit eingestreutem Granulat erhöht die Rutschhemmung großer Flächen. Je nach Körnung und Aufbau lassen sich unterschiedliche Bewertungsgruppen erreichen. Angaben zum konkreten Produkt finden Sie unter Antirutsch-Bodenbeschichtungen.

Antirutsch-Klebebänder und Streifen

Für Stufen, Rampen und Laufwege sind Anti-Rutsch-Klebebänder eine schnelle Nachrüstung. Sie unterscheiden sich in Körnung und Einsatzbereich. Ausführungen mit Prüfnachweis zur Bewertungsgruppe gibt es auf Anfrage.

Matten für den Außenbereich

Für Bereiche mit Nässe und Schmutz eignet sich eine Antirutschmatte für den Außenbereich. Fragen Sie nach Ausführungen mit entsprechendem Prüfnachweis für R13.

Gitterroste und Tränenbleche

Metallflächen werden bei Öl und Nässe schnell glatt. Lösungen finden Sie unter Gitterrost rutschhemmend und Antirutsch-Beschichtung für Tränenblech.

Rutschfester Bodenbelag

Wo ein durchgehender Belag sinnvoll ist, bietet ein rutschfester Bodenbelag eine Alternative zur Beschichtung.

Auswahl: worauf es ankommt

Rutschhemmung: Ermitteln Sie zuerst die erforderliche Bewertungsgruppe für den Bereich. Grundlage sind die Gefährdungsbeurteilung und die ASR A1.5 mit ihrem Anhang 2. Höher ist nicht automatisch besser, denn sehr raue Oberflächen sind schwerer zu reinigen.

Untergrund: Beton, Fliesen, Stahl und Holz brauchen unterschiedliche Produkte. Tragfähigkeit, Ebenheit und Restfeuchte beeinflussen die Haftung.

Reinigung: Die Rutschhemmung bleibt nur erhalten, wenn der Boden passend gereinigt wird. Verschmutzte Profile verlieren an Wirkung. Stimmen Sie Oberfläche und Reinigungsverfahren aufeinander ab.

Befestigung: Beschichtungen werden flächig aufgetragen, Klebebänder geklebt, Profile und Platten verschraubt. Die Wahl hängt von Belastung, Lebensdauer und Umbauplänen ab.

So läuft Ihre Anfrage ab

  1. Sie nennen uns den Bereich, den Untergrund und, falls bekannt, die geforderte Bewertungsgruppe.
  2. Wir schlagen passende Produkte vor und benennen verfügbare Prüfnachweise.
  3. Sie erhalten ein Angebot und entscheiden über die Umsetzung.

Häufige Fragen zur Rutschhemmung R9 bis R13

Was bedeutet Rutschhemmung nach DIN EN 16165?

Die DIN EN 16165:2023 ist eine Prüfnorm. Sie beschreibt Verfahren, mit denen die Rutschhemmung eines Bodens bestimmt wird, darunter die Begehung auf der schiefen Ebene. Welche Bewertungsgruppe ein Bereich benötigt, regelt sie nicht.

Wo finde ich die ASR A1.5 Rutschhemmung Tabelle?

Die Zuordnung von Arbeitsbereichen zu Bewertungsgruppen steht im Anhang der ASR A1.5. Nutzen Sie stets die aktuelle Fassung der Regel, zum Beispiel über die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Welche Rutschhemmung für Industrieboden ist die richtige?

Das hängt vom Arbeitsbereich und den gleitfördernden Stoffen ab. Trockene Hallen kommen mit niedrigeren Gruppen aus. Bereiche mit Öl, Fett oder Nässe benötigen höhere Gruppen und eventuell einen Verdrängungsraum. Maßgeblich ist Ihre Gefährdungsbeurteilung.

Wann ist Rutschhemmung R13 mit Verdrängungsraum sinnvoll?

In Bereichen, in denen große Mengen Fett, Öl oder andere gleitfördernde Stoffe auf den Boden gelangen. Der Verdrängungsraum nimmt diese Stoffe unter der Gehebene auf. Die konkrete Anforderung entnehmen Sie dem Regelwerk.


Die richtige Bewertungsgruppe ist die Grundlage für jede Antirutsch-Maßnahme. Nennen Sie uns Ihren Einsatzbereich. Wir helfen Ihnen, Produkte mit passender Rutschhemmung R9 bis R13 auszuwählen.